Mittwoch, 11 November 2009 21:31

Vitales Heimspiel

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Aus DIE RHEINPFALZ vom 19. Dezember 2007:

Kaiserslauterer Kolpingbläser mit Jubiläumskonzert in der Marienkirche

Es müssen nicht immer nur die Klassiker sein. So schön die vertraulichen Weihnachtslieder auch sind - hin und wieder ein paar moderne Töne tun immer gut. Erst recht, wenn sie eine jung gebliebene Formation wie das Kolpingblasorchester Kaiserslautern zu ihrem 95. Jubiläum intoniert. Zum Abschluss der Feierlichkeiten gestaltete das Ensemble am Sonntag in der Marienkirche ein abwechslungsreiches Weihnachtskonzert im gekonnten Wechsel zwischen würdevoller Klassik und vitaler Moderne.

Lange und intensiv hatten die Mitglieder des Blasorchesters unter Frank Wißmann auf diesen besonderen Abend hingearbeitet, und so gelang er auch von Anfang an: Bachs im Bläserquartett präsentierte, einleitende "Wachet auf, ruft uns die Stimme" wurde genau so vorgestellt, wie es der kraftvolle Titel vermuten lässt. Mit mächtiger Energie und viel Einfühlsamkeit bahnte sich das klassische Stück über die nachfolgende Adventsintrada mit dem Choral "Macht hoch die Tür" geradewegs seinen Weg in die Moderne: Die variantenreiche Fantasie über ein Vesperlied von Ted Huggens stammt aus dem Jahr 1985, jene nachfolgende, nicht minder energetische über "Lobe den Herren" von Roland Kernen sogar erst von 2005.

In beiden Interpretationen gelang es dem Orchester, die kraftvoll getragene Freude in der Melodiebewegung mit dem eigenen Engagement zu kombinieren und umso mächtiger weiterzugeben. so ging es weiter, Schlag auf Schlag, erbaulich und erhebend, aber auch mitreißend und sprudelnd. George Michaels "Last Christmas" fehlte da ebenso wenig wie Weihnachtsgedanken aus Frankreich ("Noel de France") und zu Herzen gehende irische Folklore-Töne. Das schwierige, aber von den Solisten sehr sauber interpretierte "Dona nobis pacem" leitete gegen Ende des Konzerts über zum nicht minder komplexen Bach'schen Choral aus der Kantate Nr.79 "Nun danket alle Gott" - im modernen Arrangement von 2003. Der Kreis von Barock zu Barock und zugleich die Verbindung zwischen Tradition und Moderne war geschlossen.

Einen Höhepunkt innerhalb des Konzerts markierten die beiden Beiträge des Jugendorchesters. Die erste Komposition "In this quiet place" zeigte sich dabei an nicht wenigen Stellen als interpretatorischer Prüfstein, den die kompetenten Jungen und Mädchen in des mit sicher Eleganz nahmen. Im "Kinderweihnacht"-Medley waren sie dann konzentriert doch wieder da, die vertrauten Weihnachtslieder: "Alle Jahre wieder", "Ihr Kinderlein kommet" und Rolf Zuckowskis "In der Weihnachtsbäckerei". Der gerade mal zwanzig Jahre alte Titel hat sich längst zu einem anerkannten "richtigen" Weihnachtslied neben all den Klassikern entwickelt und gab in der fröhlichen Interpretation der jungen Leute ein ebenso frisches wie fugenlos zudem "ernsten" Stücken passendes Glanzlicht ab. Auch hier war also die Gradwanderung zwischen Alt und Neu gelungen.

Auch nach dem erwähnten "Nun danket alle Gott" war noch lange nicht Schluss. Den Choral "O selige Nacht" sangen die Zuhörer im bis auf den allerletzten Platz besetzten Gotteshaus ebenso wie zuvor schon "Macht hoch die Tür" mit Freuden mit - der Text auf dem Programmzettel machte es möglich. Auch der Klassiker unter den modernen Weihnachtsliedern wurde zu guter letzt interpretiert. Irving Berlins in der Version von Bing Crosby unsterblich gewordenes Weihnachtslied "White Christmas" (im Übrigen vermutlich der am meisten verkaufte Einzeltitel aller Zeiten) verzauberte auch an diesem Abend in der Fassung des Kolpingblasorchesters das heftig applaudierende Publikum. Aber es ging noch intensiver, noch festlicher. Im abgedunkelten Schiff spielte das Orchester ganz zum Schluss als Zugabe das Weihnachtslied schlechthin, "Stille Nacht, heilige Nacht". Auch dieses Stück wurde vielfach mitgesungen, diesmal ganz ohne gedruckte Unterstützung.

Fazit: ein gelungenes, durch festlich-nachdenkliche Textbeiträge zusätzlich abgerundetes Weihnachtskonzert, dass dem Kolpingblasorchester und seiner Jugendabteilung im Rahmen jenes "Heimspiels" - beide Gruppen proben regelmäßig in der Unterkirche von St. Maria - zu besonderer Ehre gereichte.

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