Mittwoch, 11 November 2009 21:29

Eine runde Sache

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Aus DIE RHEINPFALZ vom 8. Mai 2007:

Jubiläumskonzert

Das 95-jährige Bestehen des Kolpingblasorchesters Kaiserslautern, das 1912 als Musikkapelle des damaligen katholischen "Gesellenvereins" gegründet wurde, ist eigentlich zahlenmäßig vordergründig keine runde Sache. Für einen denkwürdigen Meilenstein einer kulturgeschichtlichen Entwicklung mit allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Höhen und Tiefen, durch (fast) ein Jahrhundert, sorgten dennoch 40 Musiker beim Jubiläumskonzert am Samstag im Edith-Stein-Haus.

Es war nämlich doch eine runde Sache, weil man musikalisch schlüssig die zündende Idee eines Wunschkonzertes ansprechend umsetzte. Es ergab sich ein systematischer Streifzug durch verschiedene Genres und Gattungen der Blasmusik.

Vom eröffnenden festlichen Konzertmarsch wurde zu einer Fassung des berühmten Ravel'schen "Bolero" übergeleitet, die Frank Erickson für modernes Konzert-Blasorchester wirkungsvoll arrangiert hat. Das unermüdliche Kreisen um das bohrende Hauptthema, das durch alle Register läuft, wurde mit Hochspannung aufgegriffen und zum eindringlichen Höhepunkt geführt. Dies gelang vorzüglich. Dagegen konnte die schwer fasslich Ouvertüre "Lawrence of Arabia" von Maurice Jarre in der klanglichen Differenzierung und stilistischen Charakterisierung mehr Detailarbeit vertragen.

Frank Sinatras Evergreen "My Way" wurde von dem Solo-Trompeter Joachim Scholz mit viel Ausdruck und klarer, sicherer Tongebung vorgetragen. Mit dem Robbie-Williams-Medley spielte das Orchester einmal mehr seine Stärken aus: spielerische Ausgeglichenheit an allen Pulten, wobei die enorm spielfreudige Schlagwerk-Gruppe mit pulsierendem Drive für einen pochenden Herzschlag sorgte und alles zusammenhielt. Dies wirkte sich dann vor allem bei einigen rhythmischen Schwierigkeiten vorteilhaft aus, da so Probleme überspielt werden konnten. Hervorzuheben sind auch die tonschön auftrumpfenden Hörner bei herrlichen Kantilenen, so dass man gelegentliche ansatzbedingte Ungenauigkeiten gerne hinnahm.

Dass der langjährige Dirigent und Ehrenmitglied Raimund Mattern den Taktstock von Frank Wißmann für den Huldigungsmarsch an Adolph Kolping übernahm und hier das Orchester zu klanglicher Homogenität führen durfte, war weit mehr als eine schöne Geste. Hier kommt das generationenübergreifende Gemeinschaftsdenken des Kolpingwerkes, das Würdigen von Verdiensten zum überzeugenden Ausdruck. In diesem Sinne ist auch die vorbildliche Jugendarbeit herauszustellen, die mit der Kolpingmusikschule eine solide Basis geschaffen hat. Mit immerhin 33 Nachwuchs-Instrumentalisten ließ sich daher ein leistungsstarkes Jugendorchester aufbauen - und das hatte mit einem Erfolgstitel der Glenn-Miller-Ära an diesem denkwürdigen Abend seine erste große, konzertante Bewährungsprobe erfolgreich bestanden.

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