Mittwoch, 11 November 2009 21:27

Für jeden Geschmack etwas dabei

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DIE RHEINPFALZ vom 30.04.08

Frühlingskonzert der Lauterer Kolping-Bläser

Wollte man für das traditionelle Frühjahrskonzert des Kolpingblasorchesters Kaiserslautern im Edith-Stein-Haus eine Maxime, eine programmatische Leitidee finden, so könnte sie lauten: stilistische (Welt)-Offenheit, musikalische Vielseitigkeit und menschliche Herzlichkeit im harmonischen Miteinander der Generationen und Professionen. Dies kam in der überlegten Programmgestaltung und auch im reibungslosen Konzertablauf zwingend zum Ausdruck.

Das Frühjahrskonzert bewies aber auch, dass die Verantwortlichen dieses Blasorchesters die Zeichen der Zeit erkannt haben und einen besonderen Akzent auf eine vorbildlich, erfolgreiche Jugendarbeit setzen: so begann man vor einem Jahr das an allgemeinbildenden Schulen erprobte Modell der sogenannten Bläserklasse oder des Klassenmusizierens auf das Kolpingblasorchester zu übertragen. Parallel zur eigenen Kolping-Musikschule wollte man eine zweite, tragende Säule der Jugendarbeit errichten. Das klangliche Resultat dieser intensiven beispielhaften Bemühungen konnte sich an diesem Abend sehen und hören lassen.

Der „Bandroom-Boogie“ im Arrangement von Michael Sweeney, ließ in dieser be-merkenswerten Qualität für die Zukunft noch vieles hoffen. Das eigentliche Jugendorchester stellte zwei Kostproben aus dem Repertoire zeitgenössischer, aktueller Literatur für Jugendbands vor, voran eine Komposition des Spezialisten für Filmmusik, John Williams: dessen hymnische Musik „The Olympic Spirit“ wurde besonders gut im Tonfall getroffen.

Das Konzert-Blasorchester setzte dagegen auf die seit Jahren erfolgreich praktizierte Vielseitigkeit – es ist für jeden Geschmack der Musiker und Zuhörer sicher etwas dabei, für konservative ebenso wie für progressive Auffassungen. Dabei werden die ver-schiedenen Genres und Gattungen gezielt abgedeckt. Dass beispielsweise ein tradi-tioneller Eröffnungsmarsch nicht unbedingt trivial oder banal klingen muss, zeigte sich am überzeugenden Beispiel von Märschen von Schubert und Fucik. Dirigent Frank Wißmann zeigte hier, dass er – wie auch das Orchester selbst – enorm dazu gelernt hat: seine Zeichen-gebung ist fordernder, intensiver und energischer geworden, seine Ausstrahlung lebendiger und mitreißender.

Die konzertante Bearbeitung von Norbert Studnitzky der „Zauberflöte“ ist ein zwie-spältiger Versuch, Opernmelodien in Form eines Potpourris zu bringen. Das Ergebnis schwankt zwischen Annäherung und Ent-fremdung und würde bei anderer Besetzung eines sinfonischen Blasorchesters möglicher-weise überzeugender klingen. Dennoch war es letztlich ein gelungenes Experiment, die vorwiegend jugendlichen Musiker an be-deutende Musik heranzuführen. Ähnlich ist die Vereinfachung von Sweeney der „Suite in Es“ von Holst zu bewerten.

Weitaus überzeugender gelang dagegen die Konzert-Phantasie von Kees Vlak, eine Originalkomposition für Blasorchester, die mehr den klanglichen Möglichkeiten dieser Klangkörper Rechnung trägt und genau charakterisiert wurde. Eine Musical-Auswahl, von John Moss arrangiert, zeigte dieses Blasorchester dann auf der Höhe seiner spielerischen und interpretatorischen Möglich-keiten, die der Dirigent geschickt ausreizt. Ein Medley nach Welthits von Eric Clapton war krönender Abschluss.

Rainer Henn

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